Portrait in KulturVision von Selina Benda

Portrait in KulturVision von Selina Benda

Die bayerische Liedermacherin Helga Brenninger hat das Herz am rechten Fleck und vor allem auf der Zunge. Foto: kwerbild

CD Release der Liedermacherin Helga Brenninger

Es gibt sie, diese Herzmenschen, in deren Gegenwart man sich einfach wohl fühlt. Wenn diese Art von Menschen dann auch noch Musik machen, dann entsteht daraus eine Symbiose aus wohlklingender Seelenreise und tiefgehenden Kompositionen. Die Musikerin Helga Brenninger ist ein solcher Herzensmensch und lädt mit ihren Liedern ein, tiefer zu blicken, ohne dabei den Humor zu verlieren.

Spricht man mit der 49-jährigen Oberbayerin, dann legt sich sogleich eine beruhigende Atmosphäre über den Moment. Dabei ist es nicht so, dass Helga Brenninger nichts zu erzählen hätte oder übertrieben ruhig wäre. Nein, es ist ein Gefühl von angekommen sein, das die passionierte Liedermacherin ausstrahlt. Mit einem Lächeln auf den Lippen spricht sie über ihre Musik, die Liebe zum Dialekt und die Freude am Leben generell.

„Ich muss zugeben, ich bin ein Sonnenkind“, sagt die in Dorfen lebende Musikerin von sich selbst. Wie schön es ist, wenn ein Mensch das von sich selbst sagen kann. Noch schöner, wenn man weiß, dass Schicksalsschläge den Lebensweg dieser Person gepflastert, aber sie dadurch nur noch mehr der Sonne zugewandt haben. Die Musik gab Helga schon immer Halt und war auch da als es galt, neue Lebenswege einzuschlagen.

Der Start einer Solokarriere

Mit der Trompete wurden sie, ihr drei Jahre älterer Bruder und ihre zehn Jahre ältere Schwester in der Kindheit gerne mal vom Vater geweckt. Seitdem gehört die Musik in Brenningers Leben dazu. Mit acht Jahren lernte sie Gitarre und mit 14 Jahren spielte sie in einer Rhythmusgruppe. Als Fünfzehnjährige folgten dann die ersten Auftritte bei Hochzeiten, Events und Abschlussbällen und diese gehörten bis ins Jahr 2015 zu Brenningers Repertoire.

Damals spielte und sang sie vor allem Coversongs. Erst als ihr Ehemann nach einer schweren Hüft-Operation in der Reha war, entstand ihr erstes eigenes Lied. „Boid bist wieder do“ war zunächst nur als musikalischer Mutmacher an ihren Mann gedacht und sollte aber der Startschuss für ihre Solokarriere werden. „Ich wusste noch gar nicht, dass ich das kann und hätte mir das auch nicht zugetraut“, erinnert sich Brenninger an ihre erste Komposition. Sieben Jahre später, blickt sie auf drei Alben und einige Singles aus ihrer eigenen Feder zurück.

Helga Brenninger - Heazbrenna

Die Musik gehört schon seit ihrer Kindheit zum Leben der heute 49-Jährigen. Das Komponieren ist für sie eine Art Psychotherapie. Foto: kwerbild

Das Komponieren als Psychotherapie

Von da an verarbeitete sie ihre Gedanken und Gefühle in ihren eigenen Liedern. Das erste Album „Mitten im Lebn“, das im Jahr 2015 erschien, handelt demnach von schweren Zeiten und tiefgreifenden Erfahrungen. Von einer Borreliose-Erkrankung bis hin zur Angst um ihren schwer erkrankten Vater – „das Komponieren war meine Psychotherapie“, sagt die selbstbewusste Frau.

Was ihre Lieder – Ein Herz voller Musik – ausmacht, ist nicht nur ein tiefer Blick in ihr eigenes Seelenleben. Jeder Zuhörer ist eingeladen, dadurch selbst auf Forschungsreise durch seine Gefühlswelt zu gehen, vielleicht die Sichtweise zu ändern oder die Musik auch einfach nur auf sich wirken zu lassen.

So greift die Künstlerin zwar oft – wie etwa in ihren Liedern „Merkst das“ und „Woiknbruch“ – bedeutungsschwangere Themen auf. „Aber ich mag es wahnsinnig gerne, wenn sich eine Geschichte wendet und der Zuhörer mit einem positiven Gefühl aus dem Lied rausgeht“, erklärt sie. Ihre Lieder sollen das Publikum dazu anregen, auch aus den schweren Zeiten des Lebens etwas Positives zu ziehen. „Das Leben ist nicht immer einfach, aber die Dinge mit mehr Leichtigkeit zu sehen, das ist maßgebend in meinen Liedern“, sagt Brenninger.

Der Sprung ins kalte Wasser

Mit einer unverwechselbar sanften Stimme und immer in bayerischem Dialekt, verzaubert die Mundart-Künstlerin mit jazzigen Songs und einer Authentizität, die ihresgleichen sucht. Kaum zu glauben, dass sie erst vor elf Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Zuvor war sie als Bürokauffrau angestellt. Doch als die Firma ihr einen Platz in Leipzig anbot, war für die leidenschaftliche Bayerin klar, dass es auf anderen Wegen weitergehen muss. Mit Gitarrenunterricht sprang sie ins kalte Wasser der Freiberuflichkeit, wobei ihr ihre Buchführungs- und Organisationskenntnisse wieder zu Gute kamen.

Überhaupt macht diese späte Wende in Brenningers Leben nicht den Eindruck nach einem gewaltigen Bruch im Lebenslauf. „Wenn ich zugelassen habe, dass es kommt wie es ist, dann war das rückblickend alles richtig für mich“, reflektiert sie selbst. Mit der Zeit hat sich auch eine Gruppe von Musikern um sie geschart, mit welchen sie als Band auftritt oder einzelne Soloprojekte produziert. Nie starr in einer Situation verharren, immer Abwechslung in ihrem Leben und Schaffen haben, das ist der Mutter einer 18-jährigen Tochter wichtig. So hat sie auch erst kürzlich das Schlagzeugspielen für sich entdeckt.

Erst spät wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit, doch alle ihre Stationen im Leben halfen ihr bei diesem Schritt. Foto: kwerbild

Dreierreihe „Boarisch mutiert“

Auch wenn die Auftritte mit ihren Musikerkollegen Spaß machen, viele Open Stage-Auftritte in ihrer Anfangszeit haben Brenninger auch als Solokünstlerin gestärkt. Ihre neueste Musik ist demnach nicht nur pandemiebedingt nicht im Bandformat, sondern bewusst ganz reduziert entstanden.

Gleich drei neue Lieder der Reihe „Boarisch mutiert“, wie Brenninger es selbst beschreibt, stehen in den Startlöchern. Die Single „Bassd scho, bassd scho“ erscheint am Freitag, 25. Februar und lädt definitiv zum Schmunzeln ein. Denn in ihren neuesten Songs verarbeitet Brenninger auf humorvolle Art und Weise Wörter, die eigentlich aus dem Italienischen, Französischen oder Englischen stammen. Diese haben sich jedoch in der bayerischen Sprache schon so manifestiert, dass sie der ein oder andere nicht mehr den anderen Ländern zuordnen könnte.

Illustriert wurden die CD-Cover von niemand geringerem als ihrem Musikerkollegen Mathias Kellner. Wie auch diese drei Singles, sind viele von Brenningers Liedern auf der familieneigenen Hütte am Großglockner entstanden. Hauptsache in der Natur, ob nun auf dem Berg oder bei einem Spaziergang durch den Wald – „oft entstehen Melodien oder ganze Textpassagen in meinem Kopf draußen“, erzählt sie. An der frischen Luft, nur umgeben von Naturgeräuschen, dort hat die sympathische Brünette den Kopf frei für ihr kreatives Schaffen.

Cover: Mathias Kellner

Humorvoll und bayerisch keck ist die neue Dreierreihe „Boarisch mutiert“. Das CD-Cover für die Single „Bassd scho, bassd scho“ entwarf Musiker und Illustrator Mathias Kellner. Coverbild: Mathias Kellnere

Musik und Natur im „Singenden Wald“

Ihre zwei Leidenschaften, die Musik und die Natur, hat sie nun in ihrem neuesten Projekt „Singender Wald“ vereint. Pandemiebedingt ohne Möglichkeit für Auftritte, hatte Helga vor zwei Jahren die Idee, ihre Freunde mit in den Wald zu nehmen und dort in einer besonders intensiven Session, einige ihrer Lieder zu spielen. Nur begleitet von den Vögeln und dem Rauschen der Bäume, entstand eine Magie, die alle nicht mehr loslassen sollte.

Wie so viele Dinge in ihrem Leben, kreuzte dann auch der Kurs zur Waldgesundheitstrainerin genau zur richtigen Zeit ihren Weg. Nun nimmt sie Gruppen mit zu Waldbadeeinheiten, um tief in die Naturwelt einzutauchen und mit Achtsamkeit und Meditation Abstand zum Alltag zu gewinnen.

„Die Teilnehmer legen an der Garderobe des Waldes ihre schwere Last ab und tauchen tief in eine Reise zu sich selbst ein“, erklärt sie. Unterstützt wird dieser Prozess durch eigens komponierte Lieder von Brenninger, die in der Kulisse der Natur ihre ganze Pracht entfalten. „Da gibt es einen Ort mit vielen großen Buchen, die eine Art Kathedrale bilden. Nur dort zu sitzen und sich selbst zu spüren, das hat eine große Macht“, schwärmt die 49-Jährige von diesem Erlebnis.

Mit dem Projekt „Singender Wald“ hat sich Brenninger einen Herzenswunsch erfüllt – ihre zwei Lieben, die Natur und die Musik, zu vereinen. Foto: Helga Brenninger

Der eigene Weg

Egal ob nun als leidenschaftliche Sängerin, Gitarristin und Liedermacherin oder als ruhige und achtsame Gesundheitstrainerin – Helga Brenninger überzeugt mit ihrer entwaffnend authentischen Art. Mit dem Herz am rechten Fleck und vor allem auf der Zunge, hat sie ihren ganz eigenen Weg in der Musikwelt gefunden. Noch mehr Ohren und Herzen erreichen und schöne bleibende Momente schaffen, das ist das Ziel von Helga Brenninger. Und diese Reise sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen.

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